Wie sich die Anforderungen an Controller und Finance Manager verändern
Finance-Professionals, insbesondere Business Controller, Financial Controller und Finance Manager, bleiben auch im Jahr 2025 stark gefragt. Doch die Dynamik des Arbeitsmarktes verändert sich. Michael Andris, Director bei Robert Walters in Düsseldorf, teilt seine Einschätzungen zur aktuellen Lage der Finanzbranche und erläutert, was Arbeitgeber suchen und welche Chancen sich für Fachkräfte ergeben.
Anhaltender Fachkräftemangel im Finanzbereich mit neuen Facetten
„Der Arbeitsmarkt bleibt angespannt, besonders für Finance-Professionals mit drei bis zehn Jahren Erfahrung“, erklärt Michael Andris. „In Ballungsräumen wie Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg oder Düsseldorf und Köln ist die Nachfrage nach qualifizierten Business Controllern, Financial Controllern und Finance Managern weiterhin hoch.“
Der Experte beobachtet jedoch eine Veränderung: Unternehmen sind zunehmend bereit, Kandidaten einzustellen, die noch in ihre Rolle hineinwachsen müssen.
Das erweitert den Talentpool erheblich und spiegelt den Trend wider, stärker auf Soft Skills und Potenzial zu setzen statt, ausschließlich auf harte Berufserfahrung.
Gleichzeitig agieren Arbeitgeber bewusster. „Während der extremen Fachkräftemangelphasen in den Jahren 2021 und 2022 wurden Bewerber oft innerhalb einer Woche eingestellt. Heute achten Unternehmen verstärkt darauf, dass nicht nur die fachliche Qualifikation passt, sondern auch Persönlichkeit und langfristige Perspektive.“
Neue Anforderungen an Fähigkeiten
Die Erwartungen an Finance-Professionals haben sich gewandelt. „Das Profil eines erfolgreichen Controllers oder Finance Managers ist breiter geworden“, so Andris. „Früher lag der Fokus vor allem auf buchhalterischer Präzision und Kenntnissen von IFRS und HGB. Heute erwarten Unternehmen zusätzlich Kommunikationsstärke, kritisches Mitdenken und Anpassungsfähigkeit.“
Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten rückt Kostenkontrolle stärker in den Fokus. „Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, müssen Szenarien präzise berechnet werden“, erklärt Andris. Digitale Kompetenzen gewinnen daher an Bedeutung: Kenntnisse in Power BI, SQL oder Python sowie ein Verständnis für ERP-Systeme sind gefragt. „Doch es geht nicht nur um Tools – entscheidend ist eine ‚digitale Denkweise‘: die Fähigkeit, sich in automatisierten Prozessen zurechtzufinden oder sogar eine Vorreiterrolle einzunehmen.“
Herausforderungen bei der Besetzung von Bilanzbuchhalter-Positionen
Unternehmen stehen aktuell vor großen Herausforderungen, wenn es darum geht, qualifzierte Bilanzbuchhalter zu finden, die über klassische Buchhaltungsaufgaben hinausdenken. „Gesucht werden Fachkräfte, die nicht nur ein tiefes Verständnis für Zahlen mitbringen, sondern auch analytisches Denken und eine hohe IT-Affinität zeigen“, erklärt Andris. Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in ERP-Systeme hat viele repetitive Aufgaben automatisiert, wodurch die Abteilungen selbst kaum wachsen. Stattdessen liegt der Fokus auf Nachbesetzungen – sei es aufgrund von Altersnachfolge oder weil bestehende Mitarbeitende Schwierigkeiten haben, sich an die neuen technologischen Anforderungen anzupassen. „Die Rolle des Bilanzbuchhalters entwickelt sich weiter: Neben fachlichem Know-how sind Anpassungsfähigkeit und technologische Kompetenz entscheidend“, so Andris.
Führungspositionen unter Druck: Work-Life-Balance als Hürde
Ein weiteres Spannungsfeld zeigt sich bei Positionen mit Personalverantwortung. Viele Unternehmen berichten von Schwierigkeiten, geeignete Kandidaten für Führungsrollen zu finden. Der Grund: Das Streben nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance schreckt viele potenzielle Bewerber ab, zusätzliche Zeit in die Führung und Entwicklung von Mitarbeitenden zu investieren. „Gerade jüngere Generationen legen großen Wert darauf, ihre Arbeitszeit klar abzugrenzen“, erläutert Andris. Dies führt dazu, dass Führungspositionen oft länger unbesetzt bleiben oder intern schwer nachzubesetzen sind. Unternehmen müssen daher verstärkt Anreize schaffen – etwa durch gezielte Führungstrainings oder flexible Modelle –, um diese Rollen attraktiver zu gestalten und langfristig zu besetzen.
Herausforderungen beim Bewerbungsprozess
Die ganzheitliche Betrachtung von Bewerbern führt dazu, dass Stellenbesetzungen länger dauern. Ein weiterer Engpass ist die Geschwindigkeit im Bewerbungsprozess. „Kandidaten führen oft mehrere Gespräche parallel“, warnt Michael Andris. „Wenn ein Arbeitgeber zu lange mit Rückmeldungen wartet, verliert er potenzielle Talente.“
Auch Unklarheiten wirken abschreckend: „Wenn eine Position nicht klar definiert ist oder das Entwicklungspotenzial unpräzise bleibt, springen Kandidaten ab – insbesondere jüngere Generationen möchten wissen, wohin sie sich entwickeln können.“
Darüber hinaus spielen Unternehmenskultur und Work-Life-Balance eine größere Rolle als je zuvor. „Unternehmen mit wenig Flexibilität oder hierarchischen Strukturen haben es schwerer, Talente zu binden.“
Kreative Zusatzleistungen gewinnen an Bedeutung
Was passiert mit den Gehältern? „Die Vergütung steigt weiterhin, insbesondere für gefragte Profile – allerdings weniger stark als noch 2022“, sagt Andris. Gleichzeitig werden Arbeitgeber kreativer bei Zusatzleistungen: Persönliche Weiterbildungsbudgets, zusätzliche Urlaubstage oder nachhaltige Mobilitätsoptionen sind Beispiele dafür. Besonders wichtig sei die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung:
Professionals wollen nicht nur mehr verdienen, sondern auch kontinuierlich lernen. Unternehmen, die dies fördern, haben einen klaren Vorteil.
Karrierechancen in unsicheren Zeiten
Trotz wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten sieht Andris gute Gründe für einen Jobwechsel: „Für engagierte Finance-Professionals, die offen für Veränderungen sind, ist jetzt ein idealer Zeitpunkt für eine neue Herausforderung. Gerade weil das Finanz- und Rechnungswesen eine stabile Kernfunktion bleibt, bleibt die Nachfrage konstant.“ Zudem befänden sich viele Unternehmen im Wandel und suchten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Gestaltungswillen.
Fazit
Der Arbeitsmarkt für Finance-Professionals bleibt angespannt – doch die Anforderungen ändern sich. Arbeitgeber legen 2025 mehr Wert auf ein umfassendes Kompetenzprofil und Potenzial als auf reine Berufserfahrung. Für Fachkräfte mit Innovationsgeist bieten sich gerade jetzt spannende Karriereperspektiven.
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Michael Andris
Director | Office Head DüsseldorfTelefon: +49 170 341 7662
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