Finance-Gehälter 2026: Stabilisierung des Marktes und neue Prioritäten bei Kandidaten
Die Zeiten starker jährlicher Gehaltssteigerungen im Finanzwesen sind vorbei. Laut Robert Walters Gehaltsstudie 2026 sowie aktuellen Beobachtungen von Hannah Klan, Senior Manager bei Robert Walters in Hamburg, hat sich der Markt stabilisiert, während Unternehmen zunehmend auf ihre Kostenstruktur achten. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen und Prioritäten von Fachkräften und Führungskräften in der Branche.
„Die Gehaltsentwicklung im Finanzwesen wird 2026 durch mehrere Faktoren beeinflusst“, erklärt Hannah Klan. „Besonders im Bereich Accounting sehen wir eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften. Allerdings leidet das Berufsfeld unter einem Imageproblem sowie einer Überakademisierung des Arbeitsmarktes in Deutschland.
Viele junge Talente entscheiden sich gegen eine Karriere im Accounting, obwohl hier spannende Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.
So verdient beispielsweise ein (Senior) Group Accountant mit 3-7 Jahren Erfahrung in der Rolle zwischen 75.000 € und 95.000 €, mit steigender Berufserfahrung sind sogar bis zu 115.000 € möglich.
Stagnierende Gehälter und veränderte Wechselbereitschaft
Während 78 Prozent der Unternehmen für 2026 moderate Gehaltserhöhungen zwischen 3,5 und 4 Prozent für ihre Finanzabteilungen planen (in der Regel abhängig vom Unternehmensgewinn), erwarten nur 56 Prozent der Kandidaten eine Erhöhung – oft mit unrealistischen Vorstellungen von bis zu sechs Prozent. Zudem zeigt sich ein Rückgang der Wechselbereitschaft: Nur noch 37 Prozent der Professionals möchten ihren Job wechseln, verglichen mit 44 Prozent im Vorjahr.
Ein weiterer Grund für stagnierende Gehälter ist die geringere Job-Rotation aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten. „Spannende Führungspositionen werden seltener ausgeschrieben, da Kandidaten weniger wechselbereit sind. Dadurch steigt die Konkurrenz auf diese Stellen, und Unternehmen haben mehr Auswahl bei der Besetzung. Nicht selten entscheiden sie sich für Kandidaten, die die beste Balance aus Skills und Wirtschaftlichkeit für das Unternehmen aufweisen“, so Klan.
Herausforderungen durch Jobtitel-Inflation
Unternehmen vergeben zunehmend prestigeträchtige Titel wie „Manager“ oder „Director“ auch für sehr operative Rollen, um Fachkräfte anzuziehen. Dies erschwert jedoch die trennscharfe Abbildung von Rollen und kann zu Missverständnissen bei Gehaltsspannen führen. „Um eine Inflation von Jobtiteln zu vermeiden, sollten Unternehmen auf erfahrene Berater zurückgreifen, die sie dabei unterstützen können, klare und realistische Positionen zu definieren“, rät Klan.
Branchen mit besten Chancen auf höhere Vergütungen
Trotz der allgemeinen Stabilisierung bieten bestimmte Branchen weiterhin attraktive Gehaltsaussichten:
- Branchen mit traditionell hoher Vergütung: Branchen wie Tabak, Rüstung, Alkohol und Pharma bieten traditionell überdurchschnittlich hohe Gehälter für Fach- und Führungskräfte, auch wenn sie mitunter als ethisch kontrovers gelten.
- Private-Equity-getriebene Unternehmen: Hoher Workload und dynamische Wachstumsprozesse führen zu überdurchschnittlichen Vergütungen.
- Unternehmen im Change-Prozess: Restrukturierungen und Transformationsprojekte schaffen Bedarf an erfahrenen Führungskräften und Spezialisten.
- Unternehmen im Wachstum: Besonders in der Software- oder Tech-Branche sind die Vergütungen attraktiv – allerdings oft verbunden mit hoher Arbeitsbelastung.
Gefragte Skills und Zertifizierungen
Um sich im Wettbewerb abzuheben, setzen Kandidaten verstärkt auf spezialisierte Fähigkeiten:
- Kenntnisse in IFRS (International Financial Reporting Standards) oder US-GAAP sind besonders gefragt.
- Kompetenzen in Konzernabschlüssen und Konsolidierung bleiben relevant, insbesondere in größeren Unternehmen.
- Englischkenntnisse sind ein Muss für Controller in international agierenden Unternehmen; fließende Deutschkenntnisse bleiben jedoch eine Grundvoraussetzung.
KI als Chance und Herausforderung
Künstliche Intelligenz (KI) spielt eine immer größere Rolle im Finanz- und Rechnungswesen und bietet spannende Möglichkeiten zur Automatisierung und Optimierung von Prozessen.
Laut der Robert Walters Gehaltsstudie betrachten 60 Prozent der Kandidaten KI als Chance, während nur 13 Prozent sie als Gefahr einschätzen.
„Wir beobachten einen deutlichen Trend:
Es gibt mehr junge Controlling-Talente, die Lust auf KI-bezogene Stellen haben, als es derzeit konkrete Positionen in Unternehmen gibt
erklärt Klan. Aktuell fühlen sich rund 65 Prozent der Kandidaten wirklich wohl mit den KI-Tools, die in ihrem Unternehmen eingesetzt werden. Gleichzeitig wollen sich 39 Prozent gezielt im Bereich KI fortbilden, um ihre Kompetenzen auszubauen und sich für zukünftige Anforderungen zu qualifizieren.
Benefits wichtiger als Boni
Flexibles Arbeiten und Benefits gewinnen weiter an Bedeutung – teilweise sind sie sogar wichtiger als das Gehalt selbst. „Homeoffice ist für viele Kandidaten der wichtigste Benefit“, betont Klan. „Insbesondere Frauen mit Kindern schätzen diese Möglichkeit, um Karriere und Familie besser vereinbaren zu können.“ Auch flexible Arbeitszeiten und Workation-Angebote stehen hoch im Kurs.
Boni hingegen spielen vor allem in operativen Rollen wie Buchhaltung oder Controlling eine untergeordnete Rolle. In Führungspositionen oder bei extremem Workload können sie jedoch signifikant sein, dienen aber primär als Anreiz für zusätzliche Belastungen wie Wochenendarbeit.
Abhängig von Skills, Region und Branche – sowie auch dem Workload und der Verantwortung – kann man als (Senior) Controller bei etwa 3-7 Jahren relevanter Berufserfahrung, mit einem Gehaltspaket zwischen 65.000 € und 100.000 € im Jahr rechnen.
Fazit: Neue Prioritäten bei Finance-Professionals
Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass Kandidaten neben einer fairen Vergütung (48 Prozent) zunehmend Wert auf Autonomie (43 Prozent) sowie flexible Arbeitszeiten (38 Prozent) legen. Diese Veränderungen stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen im Recruiting: „Starre oder nicht mehr zeitgemäße Vorgaben der Geschäftsführung wie begrenzte Urlaubstage oder fehlende Homeoffice-Möglichkeiten führen häufig zu Absagen von qualifizierten Bewerbern“, warnt Klan.
Robert Walters Gehaltsstudie
Verschaffen Sie sich einen umfassenden Überblick über die Gehalts- und Arbeitsmarkttrends Ihrer BrancheHannah Klan
Manager Finance & Accounting | HamburgTelefon: +49 40 377 073 977
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