IT-Fachkräfte begehrter denn je – Pandemie forciert Digitalisierung

Laura Overhoff Robert Walters

Keine andere Branche hat sich in den letzten Jahren so dynamisch entwickelt wie der IT-Bereich. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch verstärkt. So haben zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiter kurzfristig ins Homeoffice geschickt. Teilweise mussten ihre Systeme auf das Arbeiten aus der Ferne optimiert bzw. komplett umgestellt werden. Hierfür und insbesondere auch für den Schutz firmeninterner Daten bedarf es jedoch spezialisierter IT-Fachkräfte.

Bereits zu Beginn des Lockdowns hatte Robin Zugehör, IT-Recruitment-Experte bei Robert Walters, seine Einschätzung zum IT-Arbeitsmarkt gegenüber dem WELT-Magazin abgegeben. Im folgenden Interview resümieren er sowie zwei weitere Experten, Dr. Ralf Belusa, Managing Director Digital Business & Transformation/Chief Digital Officer der Hapag-Lloyd AG Hamburg, und Klaus Pfeifer, Regional Director Germany and Eastern Europe von Pinkerton, die vergangenen Monate hinsichtlich der wichtigsten Veränderungen auf dem IT-Arbeitsmarkt.

Wie wirken sich die Corona-Pandemie und die Lockdowns auf die IT-Arbeitswelt aus?

„Die Pandemie hat einen bereits zuvor erkennbaren Trend hin zu Digitalisierung und flexiblen Arbeitsplätzen verstärkt und vermutlich sogar nachhaltig eine Wende eingeleitet, die in diesem Ausmaß innerhalb der nächsten 5 bis 10 Jahre analog nicht hätte umgesetzt werden können“, so Robin Zugehör.

Technical Change Management lautet hierbei das Stichwort. Dr. Ralf Belusa bestätigt, dass Hybrid Work – das flexible Arbeiten im Homeoffice bzw. an anderen Orten – in den letzten Monaten sehr schnell und übergreifend umgesetzt wurde: „Viele analoge Prozesse wurden aufgrund der Erfordernisse schnellstmöglich digitalisiert und online zur Verfügung gestellt.“

Robin Zugehör fügt hinzu, dass in puncto Technologie vorrangig auf moderne Collaboration Services, digitale Workplace Software & Network Services gesetzt wurde, um die Problemstellungen und Herausforderungen in den Unternehmen zu meistern. Auch unsere Umfragen belegen die verstärkte Nutzung von Kommunikationsplattformen: Microsoft Teams wird aktuell bis zu 75 %, Zoom zu 13 % und Cisco WebEx zu 12 % auf wöchentlicher Basis genutzt.*

Dieser Umstand rückt das Thema Security Management und die Sensibilisierung dafür verstärkt in den Vordergrund. Klaus Pfeifer erläutert, dass sich durch die Verlegung zahlreicher Arbeitsplätze ins Homeoffice neben den damit einhergehenden typischen Herausforderungen bei der Infrastruktur nun auch weitere Sicherheitsprobleme aufgetan haben, die bisher vielleicht weniger Beachtung fanden. „Normalerweise ist die IT-Sicherheit von Unternehmen auf den Schutz der digitalen Infrastruktur ausgelegt. Mitarbeiter, die nun von zu Hause oder mittels eines eigenen Geräts eine Verbindung zu einem Unternehmensnetzwerk herstellen, können potenzielle Angriffspunkte für Hacker darstellen. Aber auch Mitarbeiter, die ihre Unternehmens-E-Mail-Adressen verwenden, um sich bei ganz unterschiedlichen Webseiten zu registrieren, können – wenn diese gehackt werden – zu einem versteckten Risiko für Unternehmen werden“, so Klaus Pfeifer.

„Viele potenzielle Bedrohungen für Unternehmen, angefangen bei Social Engineering über Spionage bis hin zur Erpressung, entstehen mithilfe von Informationen aus Datenpannen (sog. Data Breaches) problemlos im Dark Web.

Ich empfehle Unternehmen daher, etwaige Sicherheitslücken in ihren Konzepten zu untersuchen und auch solche versteckten Bedrohungen zu berücksichtigen. Neben der regelmäßigen Überwachung von E-Mail-Domains wegen möglicher Datenverletzungen sollte man auch regelmäßig die digitale Sichtbarkeit von Top-Führungskräften und kritischen Mitarbeitern überprüfen. Nach meiner Erfahrung ist es nicht ausreichend, nur Compliance-Richtlinien zu installieren. Die Mitarbeiter müssen geschult und dahingehend sensibilisiert werden, wie sie ihre digitale Identität und damit auch ihre Unternehmen vor Cyberkriminalität schützen können“, so Klaus Pfeifer.

Wie hat sich der Lockdown rückblickend auf den IT-Fachkräftemarkt 2020 ausgewirkt?

Robin Zugehör zufolge waren besonders zu Anfang des Lockdowns verstärkt Digital-Workplace- und Cloud-Spezialisten gefragt, um den anfallenden Workload und den Strategiewechsel innerhalb der IT abzufedern. „Der anfänglich hohen Nachfrage nach IT-Fachkräften mit antiproportionalem Trend gegenüber dem restlichen Arbeitsmarkt folgte allerdings nach 2 bis 3 Monaten ein signifikanter Rückgang aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten. Dieser war jedoch nur von kurzer Dauer und wurde durch die positiveren wirtschaftlichen Aussichten ausgeglichen. Nichtsdestotrotz gab und gibt es natürlich auch ITler in besonders betroffenen Branchen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben bzw. um diesen fürchten müssen.“

Dr. Ralf Belusa ergänzt: „Auch wir haben unsere IT-Kapazitäten in geplanter Weise mit klaren Regeln und Prüfungen aufgestockt, um der Arbeitsbelastung entgegenzuwirken und weiterhin effizientes Arbeiten zu ermöglichen.“

Womit können Unternehmen neben Gehalt und Work-Life-Balance IT-Spezialisten für sich gewinnen und halten?

Robin Zugehör weiß: „Für IT-Experten sind Herstellerzertifizierungen und Qualifikationen sehr wichtig, denn diese dienen als Aushängeschild eines jeden ITlers. Wenn ein Unternehmen damit wirbt, Mitarbeiter zu zertifizieren, gilt man bei Bewerbern als attraktiver Arbeitgeber und die Fachkräfte bedanken sich dafür oftmals durch eine langjährige Firmenzugehörigkeit. Kontinuierliche Wissenserweiterung empfinden viele IT-Spezialisten als sehr positiv.“

Zudem sind Vorbilder nach wie vor entscheidend. „Eine positive Führungsperson mit einer großartigen Vision und Mission, die ihre Mitarbeiter unterstützt und fördert, motiviert Teammitglieder ganz automatisch. In solchen Fällen binden sich Mitarbeiter gerne an ihr Unternehmen“, so Dr. Ralf Belusa.

„Ebenfalls zu empfehlen sind hausinterne Know-how- und Knowledge-Transfers, denn in aller Regel wünschen sich IT-Spezialisten eine gute Kommunikation innerhalb der Teams“, fügt Robin Zugehör hinzu. „Dieser Wissensaustausch findet zwischen den Teams als eine Art ‚interner Capability Exchange‘ statt, bei der jeder weiß, was der andere macht. Zusätzlich entstehen Synergien, indem die Teams Bereiche entdecken, in denen sie sich gegenseitig unterstützen können. Der enorme Lerneffekt macht den Arbeitsalltag spannender. So entsteht seltener der Anreiz, wegen fehlender Herausforderung das Unternehmen zu wechseln.“

Welche Technologien und Trends werden 2021 auf dem IT-Arbeitsmarkt noch bedeutender werden und warum?

Dr. Ralf Belusa schätzt, dass der Einsatz von Machine Learning, Automatisierung, Plattform-Business, etc. in Unternehmen den entscheidenden Unterschied machen werden. „Wer nicht investiert, wird gegenüber seinen Wettbewerbern verlieren.“

Robin Zugehör betont, dass moderne Infrastrukturen den immer größer werdenden Datensätzen und -mengen gerecht werden und Unternehmen somit verstärkt ihre Strukturen flexibel anpassen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Automatisierungstechnologien sind genauso unerlässlich wie kurzfristig verfügbare Skalierbarkeit und Hochverfügbarkeit. Dies kann durch hybride bzw. Cloud-Infrastrukturen in Verbindung mit Plattform-Services wie z. B. DevOps umgesetzt werden.“

Möchten Sie sich über den IT-Arbeitsmarkt austauschen oder benötigen Sie Unterstützung bei der Suche nach qualifizierten IT-Fachkräften? Kontaktieren Sie gerne unseren IT-Recruitment-Experten Robin Zugehör.

E: robin.zugehoer@robertwalters.com
T: +49 (0)40 377 07 3980
M: +49 (0)175 190 8227

Vernetzen Sie sich gerne auf LinkedIn oder Xing mit Robin Zugehör.

Alle Positionen sind als (m/w/d) zu verstehen.

*Quelle: Robert Walters: Umfrage Oktober 2020

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