Frauen müssen bei Bewerbungen über ihre Stärken reden

1911, also vor 105 Jahren, fand in Deutschland, Österreich, Dänemark, der Schweiz und in den USA zum ersten Mal ein Frauentag statt, hervorgegangen aus den Aktivitäten der Arbeiterbewegung. Inzwischen wird der Internationale Frauentag (Weltfrauentag) jedes Jahr am 8. März auf der ganzen Welt begangen und rückt dabei die Gleichstellung der Geschlechter sowie die Stärkung von Frauen in den Fokus.

Frauen in Unternehmen – das ist auch im Jahr 2016 immer noch ein heiß diskutiertes Thema. Zwar arbeiten insgesamt in Deutschland immer mehr Frauen, aber in den Chefetagen sind Frauen nach wie vor rar (siehe dazu auch den Artikel „Frauen im Finanzgeschäft“). Laut OECD stagniert der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland und bleibt unter dem EU-Schnitt. Im Jahr 2014 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts 29 Prozent der Führungsjobs von Frauen besetzt – das ist das untere Drittel aller EU-Staaten. Angesichts der vielen Diskussionen um die Einführung einer Frauenquote und angesichts des demografischen Wandels müssen sich Unternehmen verstärkt mit dem Thema auseinandersetzen. Auch kleine und mittelständische Unternehmen in der D-A-CH-Region kommen nicht darum herum, sich intensiv darüber Gedanken zu machen, inwieweit Frauenförderung und weibliche Stellenbesetzungen dabei helfen können, in Zeiten der Überalterung wettbewerbsfähig zu bleiben.

Nur langsam dringen Frauen in männliche Berufsdomänen vor

Marco Hermle, Personalberater und Manager des Robert Walters` Büro in Frankfurt, erklärt dazu: „Eine kleine Zahl an Unternehmen sagt uns als Personalberatung mittlerweile explizit, dass sie bestimmte Stellen ganz bewusst mit Frauen besetzen würden. Nicht, um irgendwelche Quoten einzuhalten, sondern weil sie gemerkt haben, dass eine gesunde Mischung von männlichen und weiblichen Arbeitskräften auch erhebliche Vorteile mit sich bringen könnte, zu einem besseren Arbeitsklima führt und die Kommunikationsfähigkeit und Transparenz im Unternehmen verstärkt. Kunden sprechen mit uns ganz offen darüber, ob es besser sei, eine Stelle mit einer Frau oder einem Mann zu besetzen.“

Dass in einigen Branchen (Maschinenbau, Technologie, Finanzgeschäft) die Männerquote besonders hoch ist, liegt auch daran, weil die gesuchten akademischen Profile nach wie vor hauptsächlich von männlichen Kandidaten erfüllt werden. Zwar ist die Zahl der weiblichen Studierenden von MINT-Fächern in den letzten Jahren bereits deutlich gestiegen (siehe dazu MINT-Studiengänge bei Frauen immer beliebter), aber bis sich das auch am Arbeitsmarkt auswirkt, dauert es noch eine Weile. Problematisch ist, dass es trotz gleicher Qualifikation und Erfahrung häufig immer noch Gehaltsunterschiede zwischen Männer und Frauen gibt.

Frauen müssen ihre Optionen nutzen – und selbstbewusst auftreten

Dazu äußert sich Nick Dunnett, der Geschäftsführer von Robert Walters Deutschland & Schweiz: „Frauen müssen sich selbstbewusst präsentieren und sie sollten in Gehaltsverhandlungen viel mehr über ihre Stärken sprechen. Wir versuchen gezielt, unsere Kandidatinnen hierbei zu unterstützen. Enorm wichtig für unsere Kandidatinnen ist aber auch, dass Unternehmen selbst eine Gender-Diversity-Strategie entwickeln, wie eine Robert Walters' Studie aus England gezeigt hat: 80 Prozent der befragten Frauen sprachen sich für ein individuelles Mentoring in Unternehmen aus.“

-Ende-

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